Curt Hesse München Mallorca
Curt Hesse Jung München Mallorca Ibiza

Curt Hesse, Jg. 1942, Weltenbummler, Gentleman, Sänger, Poet, Erzähler und Liebender hat über Jahrzehnte immer wieder Gedichte, Kurzgeschichten, Träume und Aphorismen aufgeschrieben, es aber bisher nicht für nötig gehalten, die Früchte seines Schaffens zu veröffentlichen. Vielleicht war er zu sehr mit dem Augenblick befasst, als dass er die Stapel loser Blätter nach Brauchbarem durchforstet hätte. Da kam ein Dichter des Wegs, den die Texte in Bann zogen, der ihre Kraft spürte und ahnte, welcher Schatz verloren ginge, entstünde daraus kein Buch, das die Vielfalt der Formen, Gedanken und Abenteuer zwischen zwei Buchdeckeln vereint.

 

„Als ich Curt die Texte, die unbedingt ins Buch sollten, vorlas, hat er nicht nur einmal seltsam verwundert gefragt: ‚Und das habe ich geschrieben?’“

 

Stephan Krawczyk

(Herausgeber)

           LITERATUR         

 
"Die Zeit wird kommen, wie sie früher schon immer war –
ich bin nichts besonderes, ich bin sonderbar."
– Curt Hesse

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Aus „Der Dampfplauderer“
 
Ich geh nicht hin

Ich bin nicht hingegangen an den gedeckten Tisch, an den Eisschrank mit den gekühlten Flaschen. Ich bin nicht hingegangen zu der Kurzweil, die der Gefräßigkeit spitze Zähne verschafft. Nicht zu den müden Kriegern, welche im Schützengraben der Leidenschaft herumlungern wie Tagediebe. Nicht zu den knallenden Sektkorken und dem Freudenfeuer unterm Grill, die nichts anderes sind als der Ausdruck für die Freude, dass man selbst noch einmal davongekommen ist beim großen Countdown für die Wellenreiter einer steuerbegünstigten Talfahrt. Nicht hingegangen zu den Repliken heiliger Kultstätten, auf welchen unbekümmert die Scham einer niederträchtigen Gesinnung auf dem Holzkohlengrill gar gebraten wird. Nicht hin zu den lauten Worten ohne Inhalt, den polternden Gedanken, die den Müßiggängern abgehen so wie dem überhängenden Hang Geröll und Schlamm. Nicht hin zu den Gesundbetern kranker Leiber und den Nachstellern hirnloser Weiber. Nicht hin, wo die Worte Großzügigkeit, Freizügigkeit und Zügellosigkeit auf einer Handlungsebene liegen, wo Gleichgestellte zu Angestellten werden, wo nichts anderes zählt als das Ansehen bei den Türstehern der Sondereingänge und dabei jede Sonderausgabe auf Lustmaximierung überprüft wird.

„Wer nix bring, krieg nix.“ So lautet das Geschäft. „Wer nix hat, ist nix. Basta!“ Es sei denn, er gießt meinen Garten und wäscht den Rolls, dann darf er auch mit ins Pascha – als Leibwächter, Aufreißer etc. Wer will zum Gefolge gehören? Der folge mir! Je bekannter die Namen im Gefolge, desto besser das Credo des Herrn. Was für einer noch dazu? Ein von der Natur schön geschnittenes Antlitz, welches durch den unguten Druck von innen bisweilen die Konturen einer Fratze annimmt. Eine Stimme, die sich selbstherrlich überschlägt wie ein Lastwagen, der leere Gasflaschen geladen hat. Da soll ich etwa hin? Wo das schwarze Gartentor sich auf Knopfdruck und die Hosentür des Hausherrn sich bereits auf Blickkontakt mit jedweden Miezen öffnet.

Nein, ich gehe nicht mehr hin. Ich war schon zu lange dort gewesen. Bin einer Illusion aufgesessen: Der Illusion vom spielenden Herzen, vom Friede des Nebeneinanders, von der Macht guter Gedanken, vom Füreinander sich befreiender Geister, vom Aneinander gewinnender Seelen, vom Zueinander suchender Menschenkinder. Die Illusionen konnten sich lange halten – trotz trüber Vorahnung. Letztlich war sie ja belegt und bewegt durch die Anwesenheit wohlmeinender und wohltuender Aufrechter. Doch stärker als alles Gute, welches sich zu Zeiten ausbreiten mag, ist das Herkömmliche.

Die Saat, die auf der Scholle lastet, auch wenn ein stählerner Pflug die Wellen des Ackers der Erde teilt. Ein Regenguss und die Saat des Bösen überkommt mit doppelter Vehemenz die Öffnungen in der Erde. Nun schießen sie hinaus und erfreuen sich der Sonne, die du ihnen gebracht hast, wähnen sich dem Himmel näher als je zuvor. Durch deine Hilfe – wo sie doch zur Hölle fahren sollten. 
Ohne mich, ohne meine Hilfe – deswegen geh ich nicht mehr hin.

Aus „Immer wird es edle Schiffe geben“
 
Aufbruch der Sonne nach

 

Hoch oben über den Giebelfenstern jagt eine Wolke über den unschlüssigen Aprilhimmel. Sie wird vom Wind zerfetzt, bevor sie noch etwas von der spärlichen Sonne aufnehmen kann. Antennen erzittern und wie eine aufflackernde Kerze verliert der späte Nachmittag an Helligkeit. Nie mehr will ich mich erheben von meinem Lager und dämmere dahin, bis der Abend mir die Schuld nimmt, einen Tag achtlos vergehen zu lassen. Wolke, ich folge dir auf deiner Reise, die dich zu grünen Wäldern und klaren Wassern führt. Vorbei am grauen Häusermeer, an giftspeienden Türmen und nach Atem ringenden Monstern. Lass mich dieses eine Mal nur die Brutstätten von Millionen Totgeburten vergessen, die in gemauerten Grüften den Morgen erwarten, der die armseligen Gräber zuschütten möge. Nimm mich fort mit dir, denn vergebens habe ich auf Linderung gewartet. Kein Windhauch hat mir den reinen Atem zurückgegeben, der einst meine Kindheit durchflutete. Weder Baum noch Strauch hier weiß mehr das Lied der Blüte anzustimmen. Längst dringen nur noch Klagelieder durch das Gefieder, der fröhliche Lockruf von einst scheint vergessen. Viel habe ich geklagt und alle weißen Wände beschrieben mit meinem Unmut, habe schützend mich vor die Raubtiere gestellt, die in eurem Auftrag das letzte Grün von den schwachen Ästen fraßen. Lange habe ich dem Klagelied des einst fröhlichen Flusses zuhören müssen, bis auch dieses im Ersticken verstummte. Und nun ist mir auch um dich bange geworden. Wolke, ich bete dich an, und doch weiß ich nicht, ob auch du schon Unheil in dir trägst, wie die Meere der Ferne, die von des Menschen Gift bedroht sind. Vertraue dem Wind, der dich über den Abgrund führt und dreh’ dich nicht um nach mir, sonst wirst du zu Mensch erstarren und sein Schicksal teilen müssen. Nimm mich auf, solange du rein bist und führe mich an den Ort, an dem du geboren bist. Ich bin entschlossen, das zu verlassen, was mir lieb ist. Wolke des Aprils! Du bist der Widerspruch, der in allem liegt. Deine Nachricht ist weiß. Ich gehe fort mit dir.

Curt Hesse Buch München Immer wird es edle Schiffe geben
 

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1 – Nur durch mich selbstCurt Hesse
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2 – A Wonderful Time Up ThereCurt Hesse
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3 – Das Feuer entfachenCurt Hesse
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4 – Wildwuchs des SeinsCurt Hesse
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5 – Aus freier KehleCurt Hesse
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6 – Weit draussenCurt Hesse
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7 - Im Pavillon des jungen KönigsCurt Hesse
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8 - HellhörigCurt Hesse
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Mit der Stiftung hat sich verwirklicht, was der Stifter ein Leben lang praktiziert hat: Die schönen Dinge zusammenzubringen, Kunst, Natur, Wasser, Menschen als untrennbare Einheit des Lebens zu betrachten und Möglichkeiten zu schaffen, dieses Unmittelbare mit den Mitteln der Kunst zu gestalten.

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